Zum Content springen
Neue Suche

Absender

Empfänger

Linz, 12. März 2026 (aiz.info)

Ostern 2026: Eiermarkt bleibt angespannt, dennoch stabile Versorgung

EU-Eierangebot weiterhin knapp - Auswirkungen auf Österreich

Die Versorgungslage am österreichischen Eiermarkt ist derzeit angespannt, bleibt jedoch überschaubar. Mehrere Entwicklungen greifen seit dem Herbst 2025 ineinander und sorgen für ein europäisches Marktumfeld, das inzwischen weit mehr als nur eine saisonale Verknappung darstellt. Der Eierkonsum steigt seit Jahren kontinuierlich an. Eier gelten in privaten wie in Gemeinschaftsküchen als unkomplizierte und preiswerte Proteinquelle. Mittlerweile wird mehr verbraucht, als die europäische Produktion kurzfristig bereitstellen kann. 

Eine Reihe von Faktoren hat das Angebot am Eiermarkt gedrosselt. Viele Betriebe haben zwischen 2020 und 2024 wegen hoher Baukosten, volatiler Märkte und fehlender Hofnachfolge keine neuen Stallungen errichtet, einige haben die Produktion eingestellt. Parallel dazu verlangsamt der EU-weite Umbau von Käfig- zu Alternativhaltungen das Produktionsvolumen: Was langfristig mehr Tierwohl bringt, führt kurzfristig zu niedrigeren Erträgen. Da Gastronomen im Lebensmittelgroßhandel nicht immer die benötigten Mengen erhalten, weichen sie zunehmend auf den Lebensmitteleinzelhandel oder auf Direktkäufe bei Legehennenbetrieben aus. Besonders stark ist diese Entwicklung in den großen Tourismuszentren in der laufenden Wintersaison bemerkbar. 

Gleichzeitig prägt die Vogelgrippe den europäischen Markt so stark wie selten zuvor: Seit Oktober 2025 gingen allein im Legehennenbereich etwa 12 Millionen Tiere, speziell im Norden Europas, verloren – ein Ausfall, den selbst robuste Märkte nicht mühelos kompensieren können. 

„Für uns Österreich bedeutet das: Die Lage ist angespannt, aber beherrschbar. Zwar fehlen punktuell insbesondere Freiland- und Bioeier, doch die Handelsketten und Packstellen signalisieren stabile Lieferfähigkeit – auch Richtung Ostern“, erläutert Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. 

Legehennenhaltung in Oberösterreich wird ausgebaut

Vor diesem Hintergrund planen die Bäuerinnen und Bauern in Oberösterreich den Ausbau der Legehennenhaltung. Der Bestand ist seit Jahren relativ stabil und mehrere etablierte Betriebe bereiten derzeit Erweiterungen vor. Allerdings lassen sich solche Investitionen nicht beschleunigen: Von der Entscheidung bis zum ersten Ei vergehen 1,5 bis 2 Jahre – Genehmigung, Bau, Aufzucht und Aufstallung eingeschlossen. Dazu kommt erschwerend, dass die Baukosten gegenüber dem Jahr 2020 um etwa 35 Prozent gestiegen sind. Das dämpft die Investitionsbereitschaft. 

Die Branche rechnet bundesweit mit einem zusätzlichen Legehennenbestand von rund 500.000 Tieren bis 2028. Das bedeutet in Summe eine Anhebung von 7,5 auf ca. 8 Millionen Legehennen in Österreich. Das entspricht 135 Millionen Eier zusätzlich für Handel und Gastronomie. Überwiegend wird in die Freilandhaltung investiert. 

„Wir gehen den Ausbau der Produktion mit Bedacht an. Sobald die EU ihren Umbau der Legehennenhaltung weiter voranbringt und die Vogelgrippe in den besonders betroffenen Regionen abklingt, wird das Eierangebot in Europa wieder steigen. Dann besteht die Gefahr eines Überangebots, das die Erzeugerpreise unter Druck setzen würde. Investitionen in neue Stallungen benötigen jedoch langfristig stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen – und genau deshalb erweitern wir die Kapazitäten Schritt für Schritt und mit klarer Perspektive“, erläutert Waldenberger. 

Legehennen – Bestandsentwicklung in Oberösterreich und Österreich

Die Bestandsentwicklung zeigt, wohin die Reise geht: In Oberösterreich liegt der Gesamtbestand seit Jahren knapp über einer Million Hennen, mit einer starken Verschiebung hin zu Freiland. 2025 entfallen etwa 42 Prozent auf Freiland, ebenso viele auf Bodenhaltung, während 17 Prozent der Tiere in Biohaltung leben. Österreichweit ist das Bild ähnlich – bei etwas höheren Bodenanteilen (55 Prozent) und einer wachsenden Freilandhaltung (32 Prozent).

Vogelgrippe in der EU – 12 Millionen Legehennen fehlen

Die Vogelgrippe hält Europa weiterhin fest im Griff. Was zunächst wie ein saisonales Problem entlang der Zugrouten wirkte, hat sich längst zu einer strukturellen Belastung entwickelt. Besonders Zugvögel wie die Kraniche haben eine ungewöhnlich hohe Viruslast mitgeführt. Ihre Rückkehr in die Brutgebiete dürfte die Lage eher verschärfen als entspannen: Fachleute rechnen damit, dass die Zahl der positiv getesteten Geflügelherden in den kommenden Wochen erneut steigen wird. 

Vor allem im Norden Europas hält der Ausnahmezustand an. Seit dem Herbst gibt es dort kaum eine Woche ohne neue Ausbrüche. Jeder gemeldete Fall endet mit der Keulung ganzer Bestände. Zwischen Oktober 2025 und Februar 2026 waren 573 Geflügelbetriebe (Enten, Puten und Legehennen) in der EU betroffen, insgesamt mussten 21 Millionen Tiere gekeult werden. Besonders schwer traf es Deutschland: 187 Ausbrüche, fast ein Drittel der gesamten EU Fälle. Bei den Legehennenbeständen gingen knapp 12 Millionen Tiere verloren. Da immer wieder auch Zuchtbestände betroffen sind, ist auch der Wiederaufbau der Bestände nur eingeschränkt möglich.

Dass sich die Situation kurzfristig entspannen könnte, glaubt inzwischen kaum jemand. In Deutschland wie in Polen wird daher offen über die Zulassung einer Impfung gegen die Vogelgrippe diskutiert. Es gibt bereits Impfstoffe, die aktuell in Frankreich Anwendung finden. Jedes EU Mitglied entscheidet autonom über die Impfung. Das Problem bei der Anwendung von Impfstoffen ist der Export von Eiern und Geflügel. Nach einer Impfung werden von Kunden außerhalb der EU meist die Importe gestoppt. 

Angesichts dieser außergewöhnlich angespannten Marktsituation zieht Präsident Waldenberger ein klares, aber differenziertes Fazit: „Auch wenn die Lage derzeit angespannt ist: Nach Ostern erwarten wir eine deutliche Entspannung. Und wir setzen darauf, dass die neuen Stallprojekte ab nächstem Jahr spürbar Wirkung zeigen werden. Unsere bäuerlichen Familienbetriebe brauchen Planungssicherheit. Nur wenn die Erzeugerpreise nicht unter Druck geraten und die Investitionen in neue Stallungen wirtschaftlich tragfähig bleiben, können wir die Versorgung langfristig sichern. Wir erweitern die Eierproduktion deshalb Schritt für Schritt – kontrolliert, verantwortungsvoll und mit Blick auf ein funktionierendes Marktgefüge“, erklärt Waldenberger abschließend.

Während sich der Markt zum Osterhöhepunkt unter erhöhtem Druck befindet, drängt die Geflügelwirtschaft vor allem auf eine strukturelle Reform: die verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung in der Gastronomie. Anders als im Handel bleibt dort weiterhin offen, woher die verwendeten Eier stammen – und aus welcher Haltungsform. Das schafft eine Schieflage, die gerade in Zeiten knapper europäischer Produktion spürbar wird. Denn Hotels, Großküchen und Touristengebiete greifen nicht selten auf Importware zurück, die häufig aus Haltungsstandards stammt, die in Österreich längst abgeschafft sind.

EU-weit beträgt der Anteil der Käfighaltung immer noch knapp unter 40 Prozent, auch wenn der Umbau in Alternativsysteme dynamisch voranschreitet. In Österreich hingegen ist die Käfighaltung bereits seit 2012 vollständig verboten – ein Standortvorteil, der aber erst dann zur Geltung kommt, wenn Konsumentinnen und Konsumenten ihn auch erkennen können. 

„Im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel ist die Herkunft gelebte Praxis. Die Einzeleikennzeichnung macht jedes Ei transparent – sie garantiert, dass Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich zu heimischen Eiern greifen. Diese Eier sind alle mit dem AMA-Gütesiegel ausgestattet, gefüttert werden alle Legehennen gentechnikfrei. Dieses Vertrauen ist ein zentraler Pfeiler unserer Versorgungssicherheit und zeigt, dass klare Kennzeichnung wirkt. Genau deshalb brauchen wir diese Transparenz auch in der Gastronomie“, betont Gerold Sterrer, Obmann der Geflügelwirtschaft Oberösterreich.

Auch beim Osterei auf das AMA-Gütesiegel achten

Seit Jahren werden auch Ostereier mit dem AMA-Gütesiegel ausgezeichnet. Das ist die Garantie für ein Osterei mit Herkunfts- und Haltungskennzeichnung. Bei Importware ohne Gütesiegel wird häufig die Haltungsform nicht angegeben. Daher kann es sich auch um Ostereier aus Käfighaltungen handeln. 

Eierverbrauch steigt

Der Eierverbrauch in Österreich steigt kontinuierlich an. Fachinstitutionen führen dies auf mehrere Trends zurück: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten greifen viele aufgrund der Inflation häufiger zu preiswerten, proteinreichen Lebensmitteln wie Eiern. Zudem gewinnt die flexitarische Ernährung an Bedeutung – weniger Fleisch, dafür mehr Eier. Ebenso spielt der anhaltende Convenience Boom eine Rolle: Eier gelten zunehmend als unkomplizierter High Protein Snack. Schließlich steigt die Nachfrage auch aufgrund des Bevölkerungswachstums. Fazit ist: In den vergangenen fünf Jahren legte der Eierkonsum in Österreich um 14 Eier pro Einwohner zu. 

Markttrends verändern sich

Auch die Markttrends in Österreich bewegen sich weiter: Die Bodenhaltung verliert an Bedeutung, Freiland nimmt zu, die Bioeier erleben nach einem Dämpfer in den Vorjahren eine leichte Erholung. Für die Landwirtschaft bedeutet das, dass stabile Einkommen nur dann gegeben sind, wenn die Produktions- und Vermarktungswege transparent bleiben.

Weiße Eier legen zu

In der Verarbeitungsindustrie gewinnt das weißschalige Ei zunehmend an Bedeutung. Entscheidende Gründe dafür liegen in der höheren Legeleistung, der stabileren Schale und der längeren Haltbarkeit dieser Legehennen-Genetiken. Während Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich traditionell zu braunen Eiern greifen, verändert sich die Wahrnehmung in den jüngeren Generationen: Die frühere Verbindung zwischen weißen Eiern und Käfighaltung ist weitgehend verblasst – nicht zuletzt, weil diese Form der Haltung in Österreich seit vielen Jahren vollständig abgeschafft ist. Heute wird das weiße Ei vor allem nach funktionalen Kriterien beurteilt, und genau das sorgt für seinen wachsenden Anteil am Markt, wobei dieser derzeit bei nur etwa zehn Prozent liegt. 

Europa: Strukturwandel in der Legehennenhaltung

Europa erlebt seit Jahrzehnten einen Strukturwandel in der Legehennenhaltung und die Kräfteverhältnisse verschieben sich deutlich. Die klassischen ausgestalteten Käfige – einst der europäische Standard – verlieren rasant an Bedeutung und sind mittlerweile auf unter 40 Prozent zurückgefallen. Erstmals hat die Bodenhaltung mit knapp 38,9 Prozent die Führung übernommen, ein Signal dafür, wie tiefgreifend der Umbau der Branche tatsächlich ist. Der Wandel läuft mit bemerkenswerter Geschwindigkeit: Das, was lange als Übergangslösung galt, wird nun zum neuen Normal. International zeigt sich ein ganz anderes Bild. Weltweit dominiert weiterhin die klassische Käfighaltung – oft rudimentär, ohne Strukturelemente, ohne Rückzugsräume für die Tiere. Mehr als 80 Prozent der globalen Legehennen werden noch immer in solchen Systemen gehalten. „Während hierzulande – und zunehmend EU weit – die Standards steigen, verharrt der Weltmarkt weitgehend beim Alten. Das prägt Handelsströme, Preisbildung und Wettbewerb. Für unsere Versorgungssicherheit ist entscheidend, die heimische Eierproduktion zu erhalten. Das gelingt nur, wenn die österreichischen Legehennenhalter am Markt Preise erzielen, die die höheren Kosten verlässlicher Tierwohl  und Qualitätsstandards abdecken. Anders gesagt: Ohne kostendeckende Erzeugerpreise droht langfristig weniger Angebot – und damit mehr Abhängigkeit. Gerade in Jahren mit Vogelgrippe und anderen Störungen brauchen wir starke, wirtschaftlich stabile Betriebe, damit es auch morgen genug heimische Eier gibt“, resümiert Sterrer. (Schluss)
11.793 Anschläge
  • Empfehlen
  • Drucken
  • PDF downloaden
  • RTF downloaden