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Paris, 27. Februar 2026 (aiz.info)

Milchmarktkrise: European Milk Board plädiert für freiwilligen Lieferverzicht

Viele Milchviehbetriebe arbeiten bereits wieder weit unter Kostendeckung

Der Präsident des European Milk Board (EMB), Kjartan Poulsen, und EMB-Vizepräsident Boris Gondouin haben auf der internationalen Landwirtschaftsmesse Salon International de l’Agriculture (SIA) in Paris vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage auf dem europäischen Milchmarkt gewarnt. Viele Höfe arbeiteten schon wieder weit unter Kostendeckung und gerieten immer weiter in eine existenzbedrohende Situation, warnten die EMB-Präsidenten laut MBI. Aus ihrer Sicht ist ein Ausweg aus der aktuell „dramatischen Marktsituation“ ohne freiwilligen Lieferverzicht undenkbar.
 
Die strukturelle Lage beschrieben Poulsen und Gondouin als „hochproblematisch“, da die Milchmenge weltweit auf einem zu hohen Niveau sei und die Erzeugerpreise darauf mit einem starken Abwärtstrend reagierten. Gleichzeitig blieben die Kosten für die Milchproduzenten weiter hoch. Das EMB fordert deshalb die sofortige Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene als zentrales Kriseninstrument.
 
Der freiwillige Lieferverzicht ist ein krisenpolitisches Instrument der EU-Agrarmarktordnung. Milcherzeuger reduzieren dabei freiwillig und zeitlich befristet ihre Milchliefermenge und erhalten dafür eine Ausgleichszahlung, wie das EMB erläutert. Ziel hierbei ist es, bei Marktkrisen Überproduktion schnell abzubauen, Preisdruck zu stoppen sowie die Erzeugerpreise zu stabilisieren. Und dies ohne Zwang und ohne dauerhafte Produktionskürzungen, wie der Erzeugerverband betont.
 
Dieses Instrument der Preisstabilisierung habe sich bereits in früheren Krisenphasen, wie etwa in den Jahren 2016/17, als schnell und gut funktionierend erwiesen, denn dadurch habe man die Produktionsmengen rasch und marktwirksam reduzieren können, Preisdruck sei abgefedert worden und die Betriebe hätten eine wirtschaftliche Atempause erhalten. So wird Marktstabilität aus Sicht des EMB schneller wiederhergestellt als durch passive Krisenverwaltung.
 
Der Markt dürfe nicht in der Überproduktion verweilen, forderte EMB-Präsident Poulsen in Paris. Dies habe auch das EU-Parlament erkannt, und die Abgeordneten hätten in der jüngsten Sitzung des Agrarausschusses dafür gesorgt, dass das Thema auf die Tagesordnung einer der kommenden Sitzungen gesetzt wird. Für die Erzeuger sei nun entscheidend, dass darauf konkretes Handeln der Kommission folge, erklärte Poulsen: durch Aktivieren des freiwilligen Lieferverzichts. (Schluss)
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