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Wien, 9. Jänner 2026 (aiz.info)

ARGE Rind: Mercosur und seine Folgen für die Rindfleisch-Produktion

Was Europa gewinnt, zahlen die Bauern

Mercosur wurde heute mit der aktiven Zustimmung der EU-Ländern abgeschlossen. Über 25 Jahre dauerten die Verhandlungen und machtpolitischen Spiele. Obwohl Österreich sich bis zuletzt gegen diesen Abschluss gewehrt habt, müssen wir jetzt mit den Auswirkungen leben. Was bedeutet das für die österreichische Rindfleisch-Produktion? Der Import von Rindfleisch ist nicht nur im Sinne von Klimaschutz und Nachhaltigkeit befremdlich, auch die Produktionsstandards könnten kaum unterschiedlicher sein, Tierwohl spielt auf einmal keine Rolle mehr. Die österreichischen Rinderbauern:bäurinnen befürchten zurecht Auswirkungen auf ihre Exitenszgrundlage. 

Hier eine Auflistung der ARGE Rind, wie weit diese Konsequenzen reichen: 
 
Fakten und Auswirkungen: 
•    1 zusätzliches Rindersteak pro EU-Bürger: Bei einer Selbstversorgung von knapp 100%  bei Rindfleisch in der EU kommen derzeit bereits ca. 300.000 Tonnen aus Drittländern herein. In Relationen dazu entspricht dies ca. dem 1,5-fachen der österreichischen Bruttoeigenerzeugung. Knapp 80% der Drittland-Rindfleischlieferungen kommen ohnehin bereits aus den Mercosur-Länder. UK ist hier bei den Zahlen nicht berücksichtigt.  
Hier geht es um etwa 100.000 Tonnen zusätzlichem Rindfleisch aus Südamerika, vorwiegend Edelteile. (Das entspricht in etwa einem Anteil von 15% - 20% des Edelteilaufkommens bei Rindfleisch in der EU). Umgelegt bedeutet dies: Auf jeden EUBürger kommt 1 zusätzlichen 200g Rindersteak. 
 
•    2erlei Maß bei Klima und Nachhaltigkeit: Offensichtlich spielen Klima und Nachhaltigkeit bei Mercosur keine Rolle! Betrachtet man die Klimabilanz von Rindfleisch aus Südamerika, liegt die um ein zig-faches höher als regional bzw. in der EU produziertes Rindfleisch. Rechnet man hier noch die Abholzung des Regenwaldes dazu, so ergibt sich beispielsweise bei brasilianischem Rindfleisch ein 107-facher höherer CO2-Abdruck als bei österreichischem Rindfleisch. 
 
•    Paradoxon bei Qualitätsstandards und Tierschutzstandards: Die Erzeugerpreise sowie Produktionspreise liegen z.B. in Brasilien in etwa bei 50% im Vergleich zu Österreich oder zu vielen EU-Ländern. Dementsprechend niedriger sind auch die Qualitätsstandards und Tierschutzstandards. Was zu einer ziemlich paradoxen Situation führt! Wie sind die in der EU beschlossenen Klimaziele und Forderungen nach mehr Tierwohl mit dieser Entscheidung vereinbar? Spielt hier plötzlich der CO2-Abdruck keine Rolle mehr? Das Tierwohl kann hier vernachlässigt werden? 
 
•    Kontrolle: Dazu kommt, dass es in Südamerika kaum unabhängige, nachvollziehbare Kontrollen der EU-Produktions- und Qualitätsstandards gibt. Dh. wir importieren Standards, die in der EU nicht zugelassen sind. (Beispiel: hofeigene Futtermittel versus Fertigfutter).  
 
•    Existenzbedrohung für die österreichischen Rinderbauern: Durch die um etwa 50% höheren Erzeuger- und Produktionskosten sind die österreichischen Bauern einem massiven Druck ausgesetzt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Landwirte mit den Preisen um etwa 1/3 runtergehen – dies bedeutet: ein negatives Ergebnis. Anders ausgedrückt: „Durch ein negatives Einkommen werden noch mehr Rinderbauern aufhören (1970 gab es noch etwa 245.000 Rinderhalter in Österreich, 1.6.2024 nur mehr 5 .022). Der Eigenversorgungsgrad in Österreich ist dadurch massiv gefährdet, die Abhängigkeit von Importen in niedrigeren Qualitätsstandards zu fragwürdigen Nachhaltigkeitsbedingungen ist die Folge! Diesen Aspekt übersieht man sooft!“, gibt Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind zu Bedenken. 
 
•    Bio- und konventionelle Betriebe: Die Auswirkungen und damit die existenzielle Bedrohung trifft gleichermaßen die Bio- als auch die konventionelle Produktion von Rindfleisch in Österreich. 
 
•    Wer ist hier noch betroffen? Spricht man das Thema Rindfleisch-Produktion an, kommen einem meist nur die Landwirt:innen in den Sinn. „Doch die gesamte Wertschöpfungskette ist davon in weiterer Folge betroffen: Schlachthöfe, Verarbeitungsbetriebe, Lebensmittelhandel sowie Futtermittel-Industrie, Stallbaufirmen, etc. Es gibt noch wenig Bewusstsein darüber, dass es auch um Arbeitsplätze in diesen Bereichen geht!“ so Habermann weiter.  
 
•    Und wer denkt an die Auswirkungen im Tourismus? “Auf den ersten Blick hat die Landwirtschaft, im speziellen die Rinderhaltung, nicht viel mit dem Tourismus zu tun, wenngleich die Kühe auf den Almen von unseren internationalen Gästen sicher geschätzt werden. 
Doch die tatsächliche Auswirkung besteht in der wegfallenden Landschaftspflege: Gibt es keine Rinder mehr, die im Sommer die Almen und Grünflächen abgrasen und somit diese Flächen vor dem Zuwachsen und Verwalden bewahren, wird es binnen weniger Jahren keine Almen und keine für unsere Touristen attraktiven Landschaftsbilder mehr geben. Mit welcher Folge?“,  stellt Josef Fradler, Obmann der ARGE Rind, die Fakten und die Frage in den Raum. 
Der Tourismus spielt in Österreich als Wirtschaftsfaktor doch eine wesentliche Rolle (direkter und indirekter 6,2% BIP-Anteil 2022). 
 
Daher fordert die ARGE Rind folgende Unterstützung: 
 
•    Herkunftskennzeichnung: Nur durch eine konsequent geregelte Herkunftskennzeichnung können Konsument:innen im Gasthaus erkennen, wo das Fleisch herstammt und sich bewusst entscheiden. Derzeit kauft der Gastwirt das Fleisch oft nach rein wirtschaftlichen Aspekten – Herkunft und Klima spielen hier immer noch zu wenig eine Rolle.  
 
•    Wir brauchen als Pilotprojekt eine Herkunftskennzeichnung bei Rindfleisch in der Gastronomie. 
 
•    Entlastungsmaßnahmen für die Rindfleisch-Produzenten der von Seiten der EU! (Schluss)
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